Das Thema „Milch“ ist heute fast schon eine eigene Religion. Nicht nur, dass es über 20 verschiedene Milchsorten gibt, sondern auch noch über ein Dutzend pflanzliche Alternative. Doch was ist eigentlich wichtig zu wissen, wenn ich Milch kaufe?

Ich habe einige Infos zusammengestellt:

Rohmilch

Was ist Rohmilch? 
Nicht erhitzte Milch, direkt ab Hof und muss innerhalb kurzer Zeit verbraucht werden. Rohmilch bekommst du in Deutschland in der Regel nur direkt vom Erzeuger, nicht einfach so im Supermarkt. Rohmilch ist unbehandelte Milch und wird nach dem Melken nur mechanisch gefiltert und gekühlt, aber nicht pasteurisiert, nicht ultrahocherhitzt und nicht homogenisiert.

Wichtig zu wissen
Rohmilch birgt ein erhöhtes Keimrisiko, daher ist diese Milch für Schwangere und Kleinkinder direkt von der Kuh eher ungeeignet.​ Es sei denn, du erhitzt sie selbst vor dem Verzehr. Dafür ist es ratsam die Milch aufzukochen (mind. 100 °C für 1 Minute) – Danach abkühlen lassen und in den Kühlschrank stellen. Fertig!

Vorzugsmilch

Was ist Vorzugsmilch?
Vorzugsmilch ist eine spezielle Form von Rohmilch, die strengen Hygienevorschriften unterliegt und auch außerhalb des Bauernhofs verkauft werden darf. Sie wird nur gefiltert und gekühlt, nicht erhitzt, homogenisiert oder pasteuriert – alle natürlichen Inhaltsstoffe (oder auch Keime) bleiben erhalten. Die Herstellung erfolgt in nur durch staatlich zugelassene Betriebe mit regelmäßigen Kontrollen. Das Verbrauchsdatum beträgt maximal 96 Stunden nach dem Melken, Lagerung bei max. +8 °C

Wichtig zu wissen
Auch hier gilt: Unbehandelt (durch Aufkochen) nicht für Kleinkinder oder Risikogruppen empfohlen.

Hier bekommst du diese Milch
In Reformhäusern, Bioläden oder ausgewählte Supermärkte, sie ist allerdings seltener als normale Milch erhältlich.

Pasteurisierte Frischmilch

Was ist pasteurisierte Frischmilch?
Diese Milch wird kurz auf etwa 72–75 °C erhitzt und wird dadurch deutlich keimärmer mit minimalem Nährstoffverlust. Die Milch bleibt im Geschmack relativ frisch, ist aber gekühlt nur einige Tage haltbar. Normale Supermarkt-Frischmilch kommt übrigens aus großen Molkereien, wo die Milch von hunderten Höfen gemischt wird.

ESL-Milch („länger frisch“)

Was ist ELS-Milch?
ESL-Milch ist „länger frische“ Milch mit verlängerter Haltbarkeit zwischen normaler Frischmilch und H-Milch. Sie ist ist zwischen Frisch- und H-Milch angesiedelt, wird etwas stärker behandelt, schmeckt frischer als H-Milch und hält gekühlt mehrere Wochen. ELS steht für „Extended Shelf Life“ (englisch: längere Haltbarkeit im Regal).

Wichtige Merkmale

  • Haltbarkeit: ungeöffnet gekühlt 12–21 Tage (bei 5 °C bis 40 Tage), geöffnet nur noch 2–3 Tage.
  • Herstellung: Stärkere Behandlung als Pasteurisierung (z. B. 123–127 °C kurz oder Mikrofiltration + Pasteurisierung), aber immer gekühlt lagern.
  • Geschmack: Frischer als H-Milch, aber etwas verändert gegenüber klassischer Frischmilch; Vitaminverlust ca. 10%

H-Milch (UHT-Milch)

Was ist H-Milch? 
H-Milch ist eine haltbar gemachte Milch, die durch Ultrahocherhitzung (UHT) hergestellt wird und ungeöffnet bei Raumtemperatur monatelang lagerbar ist. Nach dem Öffnen muss sie jedoch gekühlt werden.

Was bedeutet UHT?
UHT steht für Ultra-Hoch-Temperatur (engl. Ultra High Temperature). Dabei wird die Milch für 2–6 Sekunden auf 135–150 °C erhitzt und sofort abgekühlt, um alle Keime und Sporen abzutöten. Die Milch dadurch einen leichten Kochgeschmack oder sagen wir, die typische H-Milch-Note und sie ist weniger frisch als pasteurisierte Mich. 

Vollmilch (mind. ca. 3,5% Fett)

Was ist Vollmilch mit mind. 3,5% Fett?
Vollmilch hat mindestens 3,5% Fett im Vergleich zu fettarmer Milch (1,5–1,8%) oder Magermilch (max. 0,5%). Standardisierte Varianten werden in der Molkerei auf exakt 3,5% eingestellt, indem Rahm zu entrahmter Milch gegeben wird; „natürliche“ Vollmilch bleibt unverändert und schwankt je nach Kuhrasse und Fütterung.

So funktioniert die Standardisierung
Zuerst wird die Rohmilch in einem Separator in Rahm (fettreicher Teil) und Magermilch (entrahmt) getrennt. Danach mischt man definierte Mengen Rahm mit Magermilch, um den gewünschten Fettgehalt zu erreichen – oft automatisiert mit Sensoren für Fett, Dichte und Durchfluss.

Fettarme Milch (ca. 1,5–1,8% Fett)

Was ist fettarme Milch mit 1,5–1,8% Fett?
Fettarme Milch mit 1,5–1,8% Fett ist eine teilentrahmte Milchsorte, die weniger Fett als Vollmilch enthält und in Deutschland am häufigsten konsumiert wird. Sie entsteht durch Standardisierung, bei der weniger Rahm zu Magermilch gegeben wird.

So entsteht fettarme Milch
Fettarme Milch hat 1,5 bis maximal 1,8% Fett. Dabei wird Rohmilch zentrifugal in Rahm und Magermilch getrennt, dann Rahm in reduzierter Menge hinzugefügt, um den Fettgehalt präzise einzustellen – danach homogenisiert* für eine bessere Verdaulichkeit.

Magermilch | entrahmte Milch (max. 0,5% Fett)

Was ist Magermilch mit max. 0,5% Fett?
Bei Magermilch mit maximal 0,5% Fett ist eine vollständig entrahmte Milchsorte, auch Entrahmte Milch genannt. Sie wird aus Rohmilch hergestellt, indem der Fettanteil (Rahm) fast komplett entfernt wird.

Laktosefreie Milch

Was ist laktosefreie Milch?
Alle gängigen Milchsorten enthalten Laktose, unabhängig vom Fettgehalt – etwa 4,7–5 g pro 100 ml. Es gibt keine natürliche Kuhmilch mit absolut null Laktose; nur spezielle laktosefreie Produkte haben diese durch enzymatische Spaltung (Laktase) entfernt. Laktosefreie Milch ist normale Kuhmilch, deren Laktose (Milchzucker) enzymatisch in Glukose und Galaktose gespalten wurde. Sie enthält weniger als 0,1 g Laktose pro 100 ml.

Wichtige Infos
Laktose bleibt bei allen Prozessen (Standardisierung, Homogenisierung, UHT) erhalten, da es der Zucker im Milchwasseranteil ist. Nur durch Reifung (z. B. in Käse) reduziert es durch die Bakterien. Für Menschen mit einer Laktoseintoleranz ist es wichtig für sich persönlich zu prüfen, ob eine laktosefreie Milch tatsächlich die richtige Wahl ist.

Bist du laktoseintolerant oder doch was anderes?
Probleme mit bestimmten Milchsorten deuten nicht immer auf eine Laktoseintoleranz hin, da alle Milchsorten (Voll-, fettarm, Mager, H-Milch) ähnlich viel Laktose (ca. 4,8 g/100 ml) enthalten. Prüfe daher auch andere Ursachen wie Milcheiweißallergie, Empfindlichkeit gegenüber Verarbeitung oder Zusatzstoffen.

Biomilch

Was ist Biomilch?
Stammt aus ökologischer Landwirtschaft, wo die Tiere mit Bio-Futter gefüttert werden und es strengere Vorgaben bei Medikamenten und Tierwohl gibt als zu konventionell hergestellten Milch. Diese Milch ist oft etwas teurer, dafür ist aber die Herkunft kontrollierbar und nachvollziehbar. Biomilch ist in allen Milchverfahrenstechniken erhältlich.

Weidemilch

Was ist Weidemilch?
Bei Weidemilch handelt es sich um Milch von Kühen, die auf die Weide dürfen.

Jetzt kommt das aber
Der Begriff „Weidemilch“ ist nicht gesetzlich geschützt und eindeutig geregelt. Bei zertifizierten Labels ist ein hoher Weideanteil vorgeschrieben. Das einzige was bei dem Begriff definiert ist, ist dass die Kühe an mindestens 120 Tagen/Jahr mindestens 6 Stunden auf der Weide dürfen – auch 120/6-Regel genannt. Es gibt keine festen Regeln zu Futter, Stallhaltung oder Kontrollen, außerdem kann jeder Hersteller seine eigene Kriterien definieren.

Heumilch

Was ist Heumlich?
Heumilch ist Milch von Kühen (oder auch von Ziegen/Schafen), die silagefrei gefüttert werden – also kein vergorenes Gärfutter, sondern nur Gras, Kräuter und Heu zu fressen bekommen.

Wichtige Merkmale von Heumilch

    • Mindestens 75% Trockenmasse aus saisonalem Futter. Im Sommer gibt es Futter auf der Weide und Gras, im Winter gibt es Heu oder Stroh. Es wird keine Silage gefüttert und das Futter ist oft frei jeglicher Gentechnik.
    • Der Begriff Heumilch ist geschützten unterliegt strengen Kontrollen und Zertifizierung.
    • Heumilch hat einen höherer Gehalt an Omega-3-Fettsäuren, einen aromatischer Geschmack und ideal für die Käseherstellung.
    • Verfügbar als Frisch-, H- oder Rohmilch.

Alpen-/Berg-/Alpmilch

Was ist Alpen-/Berg-/Alpmilch?
Alpen-/Berg-/Alpmilch bezeichnet Milch, die aus der Alpenregion stammt, wie Bayern, Tirol oder der Schweiz. Der Begriff ist rechtlich nicht geschützt und legt keine Vorgaben für Fütterung, Haltung oder Weidezeit fest. Oft wird sie mit Grasfütterung auf Bergwiesen assoziiert – allerdings ist das nicht garantiert. Sie kann sowohl konventionell als auch bio erzeugt werden und wird wie normale Milch verarbeitet, etwa als Frischmilch, H-Milch oder ESL-Milch.

Hier gibt es noch mehr lesenswertes über Milch.
https://www.meine-milch.de

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